Ein Bot für das Alter
Von der ersten Idee zum Prototyp für selbstbestimmtes Wohnen
Key Facts
Kunde
Technologien
Die Ausgangslage
Haslibrunnen erlebt als Alterszentrum täglich, mit welchen Herausforderungen ältere Menschen und ihre Angehörigen konfrontiert sind.
Informationen und Beratungsangebote zu Wohnen, Gesundheit, Finanzen oder Betreuung sind zwar vielfältig, aber oft fragmentiert und schwer zugänglich. Für Senior:innen und ihre Angehörigen ist es deshalb häufig schwierig, sich zu orientieren und aus den verfügbaren Informationen konkrete Handlungsschritte abzuleiten.
Gleichzeitig wächst der Handlungsdruck: Der Anteil älterer Menschen in der Schweiz wächst kontinuierlich, während gleichzeitig der Unterstützungsbedarf steigt und sich der Fachkräftemangel im Altersbereich verschärft.
Die Vision
So formte sich die Idee für einen digitalen, KI-basierten Concierge:
Einer niederschwelligen Anlaufstelle, die ältere Menschen und ihre Angehörigen bei der Orientierung unterstützt und den Zugang zu passenden Angeboten erleichtert. Diese Vision bildete den Ausgangspunkt für die weitere Projektarbeit.
Das Vorgehen
Gemeinsam mit unseren Projektpartnern entwickelten wir ein Konzept für eine digitale Begleitung im Alter.
Dieser fokussiert sich bewusst auf das Themenfeld Wohnen, in dem das Konsortium über besonders grosse Fachkompetenz verfügt. Andere Themen sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Das Vorgehen war von Anfang an zweigleisig angelegt.
Das erste Standbein bildeten Methoden aus dem Design Thinking Prozess mit Workshops und Interviews mit verschiedenen Anspruchsgruppen und Stakeholdern sowie die Entwicklung von sechs Personas: von der vorausschauenden Planerin bis zum pflegebedürftigen Hochbetagten. Aus diesen Erkenntnissen wurden zentrale Bedürfnisse und Nutzungsszenarien abgeleitet.
Das zweite Standbein war die wissenschaftliche Validierung: Eine Abschlussarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz vertiefte das Geschäfts- und Finanzierungsmodell: Mit einer Literatur- und Marktanalyse sowie weiteren elf eigens dafür geführten qualitativen Interviews mit Seniorinnen und Senioren, Angehörigen, Mitarbeitenden von Haslibrunnen, möglichen Förderpartnern und einer KI-Fachperson.
Eine zentrale Erkenntnis daraus: Die Herausforderung im Alterskontext liegt nicht im Zugang zu Informationen – davon gibt es bereits viele –, sondern darin, diese einzuordnen, zu strukturieren und in konkrete, umsetzbare Schritte zu übersetzen.
Der Austausch mit einer Expertin des Healthy Longevity Center der Universität Zürich zeigte zudem, dass die Rolle des Bots als Lotse – nicht als Berater oder Experte – im Zentrum stehen muss. Ebenso wichtig: Sprache und Ansprache müssen alle Nutzenden erreichen, nicht nur die hilfsbedürftigste Gruppe, und der Einstieg soll mit möglichst wenigen Klicks zu einer für die jeweilige Situation passenden Rolle führen.
Das Ergebnis
In der ersten Projektphase entstanden so zwei zentrale Grundlagen für die Weiterentwicklung des digitalen Concierge: ein funktionaler Prototyp sowie ein mögliches Geschäfts- und Finanzierungsmodell.
Der Prototyp begleitet Seniorinnen und Senioren Schritt für Schritt durch ihre Anliegen, zeigt passende Handlungsmöglichkeiten auf, stellt Checklisten mit den nächsten Schritten zur Verfügung und vermittelt – wo sinnvoll – an persönliche Ansprechpersonen und Beratungsangebote. Damit setzt er genau dort an, wo bestehende Informationsangebote häufig enden: beim Schritt von der Information zum konkreten Handeln.
Parallel dazu untersuchte die Abschlussarbeit, wie der Concierge langfristig positioniert, finanziert und im bestehenden Ökosystem der Altersarbeit verankert werden könnte. Daraus entstanden vier zentrale Erkenntnisse:
Institutionen statt Endnutzende als Kunden: Seniorinnen und Senioren sollen den Concierge kostenlos nutzen können. Ein Lizenzmodell für Gemeinden, Alterszentren und Sozialorganisationen könnte die Finanzierung übernehmen und gleichzeitig deren Beratungsangebote ergänzen und entlasten.
Der Mehrwert liegt in der Verbindung: Der Concierge kombiniert geprüfte regionale Informationen mit konkreten Handlungsschritten und bestehenden Beratungsangeboten – eine Lücke, die weder klassische Informationsportale noch generische KI-Systeme vollständig schliessen.
Vertrauen ist entscheidend: Gerade bei sensiblen Themen kann ein digitaler, anonymer Zugang eine wichtige Ergänzung zur persönlichen Beratung sein. Gleichzeitig braucht es glaubwürdige institutionelle Partner, damit die Zielgruppe der Lösung vertraut.
Bestehende Netzwerke als Schlüssel: Statt neue Strukturen aufzubauen, soll der Concierge an etablierte Akteure und Netzwerke der Altersarbeit anknüpfen – etwa auf den Verbund zertifizierter Pflegeinstitutionen Leading Nursing Homes (LNH) oder Akteuren wie Koala – und deren Wissen und Angebote zugänglich machen.
Die Auswirkungen
Der Prototyp macht konkret erlebbar, wie digitale Orientierung und die Brücke zur persönlichen Beratung zusammenspielen können.
Darüber hinaus wurden auf der konzeptionellen Ebene zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sichtbar: ein tragfähiges institutionelles Geschäftsmodell, die Verankerung in bestehenden Strukturen und ein starker, glaubwürdiger Partner.
Damit ist eine wichtige Grundlage geschaffen. Bevor der nächste Entwicklungsschritt folgt, gilt es nun, die gewonnenen Erkenntnisse gezielt zu validieren und die Voraussetzungen für eine langfristig tragfähige Umsetzung zu schaffen.
Hier setzt nun die nächste Phase an. Gemeinsam mit potenziellen Partnern wie Pro Senectute, der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Hightech Zentrum werden derzeit die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung geprüft. Im Fokus stehen die Validierung mit der Zielgruppe, die institutionelle Verankerung und die Finanzierung einer möglichen Machbarkeitsstudie.
So hat die erste Projektphase nicht nur einen Prototyp hervorgebracht, sondern vor allem Klarheit darüber geschaffen, was es braucht, damit aus einer guten Idee eine langfristig tragfähige digitale Unterstützung für Seniorinnen und Senioren werden kann.
Das sagt der Kunde über uns
«Die KI-basierten Lösungsansätze und Produkte von Previon sind aus unserer Sicht nicht nur zeitgemäss, sondern vor allem zukunftsorientiert und geben uns als Auftraggeber die Sicherheit, in die Zukunft zu investieren. Wir konnten das eindrücklich bei der gemeinsamen Entwicklung eines Chatbots für Senioren erleben.»

Hansjörg Lüthi
Haslibrunnen AG, Geschäftsführer